Tansania

D&D setzt sich für gemeinnützige Projekte unterschiedlichster Art und Weise in Deutschland und der ganzen Welt ein. Im Rahmen eines dieser Projekte unterstützen wir den Abiturienten Lennart Sillmann, der einen entwicklungspolitischen Freiwilligen Dienst in Tansania absolviert. Dort setzt er sich bei der klimapolitischen Nichtregierungsorganisation ForumCC (Forum for Climate Change) für einen Politikwechsel, eine vertretbare Klimafinanzierung und Maßnahmen für Resilienz und nachhaltige CO2-arme Wirtschaft ein. Lennart Sillmann hält seine Spender und Interessenten über seine Aktivitäten in Tansania im Rahmen des Blogs Plötzlich in Afrika auf dem Laufendem.
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Oktober 2020

Reflexions-Bericht

„weltwärts für Völkerverständigung und Klimaschutz“ mit der DTP

Überblick

Meine Aufnahmeorganisation (AO) hieß ForumCC, beziehungsweise Forum For Climate Change. Als eine sehr gut vernetzte Nichtregierungsorganisation (NGO), bietet die Aufnahmeorganisation theoretisch eine sehr gute Ausgangslage für einen erfolgreichen Freiwilligendienst. Denn als sowohl national und international gut vernetzte Organisation genießt das FroumCC einen sehr guten Status in Tansania und hat das Potenzial eine äußerst interessante Organisation für den Freiwilligendienst zu sein.
ForumCC, in langer Form das Forum der Tansanischen Organisationen der Zivilgesellschaft zum Klimawandel, ist nach eigener Angabe eine Non-for-Profit Organisation, die sich aus Mitgliedern formt. Alle folgenden Informationen entnehme ich an dieser Stelle dem Vorstellungsprofil der Organisation, welches ich im Rahmen meiner Tätigkeit erstellt habe.
Die Aufnahmeorganisation wurde im Jahr 2008 gegründet und im Jahr 2013 wurde ForumCC zu einer Nichtregierungsorganisation formalisiert. ForumCC hat als Organisation so ziemlich zwei Bereiche in dem es aktiv ist. Der erste Bereich ist der namensgebende Bereich: NGOs aus ganz Tansania, die thematisch im Feld des Klimawandels angesiedelt sind, können Mitglied des Forums werden und profitieren vom Netzwerk der Organisation. Diese sogenannten „Members“ sind knapp 70 Stück, obwohl hier die genaue Anzahl gerne mal variiert und aus unbekannten Gründen nicht einfach zugänglich ist. Als Mitglied wird man auch zu Konferenzen der Organisation und „Shareholder-Meetings“ eingeladen, in denen aktuelle Thematiken vorgestellt und diskutiert werden, wobei auch Input der Mitgliedsorganisationen gesammelt wird. Als Mitglied des ForumCC zahlt man auch eine Mitgliedsgebühr. Anfänglich ist diese Funktion des Forums der Kernbestand der Aufnahmeorganisation gewesen. Zum Zeitpunkt der Gründung der Organisation im Jahr 2008 war dies der Kern der Tätigkeit.
Der zweite Bereich in dem das ForumCC beschäftigt ist sind eigene Projekte. Diese Projekte decken sich einer alle vier Jahre überarbeiteten Ausrichtung der Organisation. In der inhaltlichen Agenda der NGO, die im Jahr 2020 ausgelaufen ist, waren somit folgende Schwerpunkte Ausgang für die Projektarbeit: Diese fünf Bereiche/Sektoren sind Energie, Wasser, Landwirtschaft, Infrastruktur und Maßnahmen zur Resilienz. In diesem Rahmen hat das Forum in Form des Sekretariat verschiedene Projekte umgesetzt, die von europäischen Geldgebern gefördert wurden. So wurden während unserer Zeit das sogenannte „Accountable Climate Actions and Finance Transparency Initiative (ACATI)“- Projekt (Hauptspender: Europäische Union), „Climate Change and Energy Sector: Green and Inclusive Energy (GIE)“- Projekt (Hauptspender: HIVOS), „Enhancing food and nutrition security for households dependent on small scale agriculture within a changing climate in northern Tanzania (HELP)“-Projekt (Hauptspender CARE International), „Deepening African Civil Society engagement in international Post-Paris Climate Change Dialogue and response strategies“-Projekt (Hauptspender: PACJA/SIDA) und das „Strengthening partnership for Effective Implementation of the Agenda 2030 in East Africa“-Projekt, finanziert durch die GIZ und PACJA, durchgeführt. Aus den Namen der Projekte lassen sich unterschiedliche thematische Bereiche erkennen in denen die AO in Tansania durch ihre Projekte aktiv ist. So ist von finanzieller Beobachtung, Erneuerbare Energien und die Agenda 2030 und ihre Umsetzung, sowie die inhaltliche Arbeit mit dem Pariser Abkommen sehr viele unterschiedliche und auch sehr interessante Arbeitsbereiche vorzufinden. Auch die Fördersummen, die mitunter im Sechstelligen Bereich liegen lassen sich meiner Ansicht nach auf den guten Ruf der NGO als lokale Organisation schlussfolgern. In allen Projekten sind tansanische Mitarbeiter angestellt, die sich um die Umsetzung der Projekte kümmern. Wobei hier die Aufgabenbereiche und der Fokus der Mitarbeiter auf bestimmte Projekte auch gerne variieren. Allerdings sind für großen Projekte wie zum Beispiel das ACATI Projekt und das GIE Projekt sogenannte Project Officers angestellt, die sich primär um diese Projekte kümmern. Für einen weiteren und tieferen Einblick in die Organisation habe ich das, von mir designte und überarbeitete, Profil der Organisation diesem Bericht angehängt.

Eigene Erfahrungen und Tätigkeiten

Mir ist noch sehr in Erinnerung geblieben, wie mein Mitfreiwilliger und ich an unserem ersten Arbeitstag hoch motiviert bis hin zum Nachmittag warten mussten, bis uns eine unserer Vorgesetzten in der AO die Organisation erstmal richtig erklärt hat und uns durch einen kleinen Überblick über die Tätigkeiten der NGO aufgeklärt hat. Dieser Aspekt der Wartezeit war recht beschreibend für die Arbeit der NGO. Aber dazu später mehr.
Anfänglich sah es so aus, dass ich als Freiwilliger eines der Projekte der AO unterstützen soll und so wurden wir an zwei unterschiedliche Projekte weitergeleitet. Für mich war dies die Unterstützung am ACATI Projekt. In dieses wurde ich ohne viel Vorbereitung eingeführt, allerdings hat es sich schnell herausgestellt, dass die Kollegen in der AO tendenziell eher alleine an ihren Projekten arbeiten und so gut wie gar keine Arbeit an einen Freiwilligen weitergegeben wird. Mit Hinblick auf die Tatsache, dass alle der Projekte im Jahr 2019 und/oder 2020 ausliefen ist dies an sich auch verständlich:
Alle Prozesse waren bereits am laufen oder mussten nur noch finalisiert werden. Es dauerte ein wenig, bis Ich dies erkennen konnte, wodurch diese erste Zeit auch häufig von Frustrationen geprägt wurde. Um ehrlich zu sein habe ich diese Umstände erst später erkennen können und so war die Anfangszeit in der Aufnahmeorganisation von Frustration geprägt. Anfänglich bestand meine Hauptaufgaben aus einfachen Gelegenheitsarbeiten, wie beispielsweise das designen von Social Media Beiträgen. Erst nach einen tieferen Einblick und nach eine Zeit des „Ankommens“ konnte Ich die Umstände bei ForumCC erkennen und so habe ich mich dann mit projektübergreifenden Tätigkeiten bemüht, wie zum Beispiel die Fotodokumentation von Events, Designs für Social Media und der Einrichtung von einer Datenspeicherungsmöglichkeit.
Im Verlauf des Vorbereitungsseminar in Glücksburg hat eine Freiwillige davon erzählt, dass sie an Veranstaltungen im Namen ihrer AO teilgenommen hat und wegen diesem Rates habe ich mir dann auch Events herausgesucht und Konferenzen zum Klimawandel besucht. Beispielsweise habe ich an einer Urban Resilience Konferenz der Weltbank teilgenommen und an weiteren wissenschaftlichen Konferenzen und ein kleines Netzwerk an Personen aufgebaut. Dieses Netzwerk hat sich dann auch inhaltlich mit Tätigkeiten unserer NGO überschnitten und so habe ich im Laufe der Monate immer wieder bekannte Gesichter getroffen und wurde auch gesondert zu Events eingeladen. Zu meiner Arbeit gehörte es auch den Ablauf von ForumCC Veranstaltungen zu unterstützen. So habe ich beim Aufbau, Abbau und den reibungslosen Ablauf geholfen. Auch eigene Weiterbildung im Rahmen eines Onlinekurs der Weltbank zu „Waste Management“ durfte ich im Büro machen.
Nach Zwischenseminar haben mein Mitfreiwilliger und ich immer mehr daran gearbeitet, über ein eigenes Projekt nachzudenken und auch konkretere Pläne auszuarbeiten. So haben wir zwar schon zuvor uns ausgiebig Gedanken und erste Planungen für ein eigenes Small Scale Project gemacht, diese haben wir dann aber zu einer konkreten Projektidee umgearbeitet. So hatten wir die Idee im Rahmen von der Arbeit mit Frauengruppen durch realitätsnahe Aufklärung die Frauengruppe über die Problematik des Mülls zu informieren und dann „Best-Practise“-Modelle zu erarbeiten um eine Wertschöpfung aus dem Müll zu generieren, mit denen sich Einnahmequellen für die Frauen ergeben. Diese funktionierenden Geschäftsideen hätte man dann in Form einer einfachen Website auf Kiswahili anderen Menschen zugänglich machen können. Hierbei lag auch der Fokus auf eine gewisse Kontinuität in den Kleinprojekten. Da unsere Vorfreiwilligen auch mit Frauengruppen im Zusammenhang zum Müll zusammengearbeitet haben, haben wir uns auch an dem ersten Projekt orientiert. Urlaubsbedingt wollten wir uns eigentlich in der Woche des dann leider unvorhersehbaren Abflug final mit der Planung auseinander setzen. Dazu ist es leider nicht mehr gekommen.
Generell lässt sich die Einsatzstelle an dieser Stelle als eine Aufnahmeorganisation erklären, die es sich als Aufgabe gemacht hat die Freiwilligen nicht als „vollwertige“ Mitarbeiter zu sehen. Vielmehr sind die Freiwilligen eher Praktikanten, die mit einer beschränkten Erfahrung und Voraussetzungen zu dieser NGO kommen. Dies liegt an den mangelnden fachlichen sowie technischen Erfahrungen in der Arbeit der NGO und in den beschränkten Sprachfähigkeiten auf Kiswahili. Denn wenn auch im Büro Englisch gesprochen wird, ist die Sprache von Meetings oder Konferenzen primär Suaheli. Von diesem Hintergrund aus ist es das Anliegen von ForumCC den Freiwilligen eine breite Auswahlmöglichkeit zu geben, an denen sich die Freiwilligen ausprobieren können. Hierdurch können bestimmte Interessen gefördert werden und es besteht die Möglichkeit für einen selber sich dann in diesen Bereichen im Laufe des Jahres stärker einzubringen. Für mich war es so zum Beispiel der Bereich des Designs und auch das Besuchen von Events, was mich Interessiert hat und ich habe an dieser Stelle die Möglichkeit gehabt dies auch zu tun. Selbstständigkeit und ein eigener Antrieb wird hier den Freiwilligen als Charakterzug vorausgesetzt, was primär am Anfang problematisch ist. Generell ist mir als Freiwilliger dieser Punkt, des Freiwilligenstatus innerhalb der Aufnahmeorganisation, erst sehr spät aufgefallen. Denn auch selbst wenn die Aspekte der Selbstständigkeit und eines eigenen Antrieb bei der Arbeit be sehr vielen Teambesprechungen (oder dem gemeinsamen Teamwochenende) sehr häufig an gesprochen wurde und beinahe vorausgesetzt wurden, war es einem als Freiwilliger anfänglich nicht bewusst was für eine Rolle man wirklich in der Organisation hat. Dies fing bei der nur sehr geringen Einbindung bei Projekten an und hat dann in einem klärenden Gespräch mit den Vorgesetzten geendet, in dem unsere Rolle endlich erklärt wurde. Eine klare Kommunikation über die Einschätzung des Status als Freiwilliger bei ForumCC hätte den Einstieg um einiges vereinfacht. Da wir allerdings auch erst der zweite Jahrgang als Freiwillige in der AO gewesen sind, ist dies auch für die Arbeitsstelle und für die Freiwilligen ein Lernprozess, der meiner Ansicht nach durch die arbeitskulturellen Unterschiede geprägt ist und nur über mehrere Jahrgänge von Freiwilligen in einem gegenseitigen Lernprozess verbessert werden kann.
Neben der Tätigkeit für ForumCC war ich in einem weiteren Prozess verwickelt, bei einer jungen Initiative mitzuwirken. Im Rahmen dessen war ich mit zwei Tansaniern daran beschäftig eine kleine Initiative zu Nachhaltigkeit zu starten. Allerdings musste ich diesem Prozess nach einem Machtwort meiner NGO zu meiner Working Permit leider beenden. (Diesen Abschnitt könnte ich noch ausführlicher behandeln, würde aber den Rahmen des Berichtes sprengen.)

Begleitseminare

Im Rahmen meiner Vorbereitung für meinen Freiwilligendienst habe ich an zwei verschiedenen Seminaren teilgenommen.
So habe ich im Rahmen eines einwöchigen Sprachkurses in der Nähe von Göttingen das erste Mal meine Mitfreiwilligen kennengelernt. Dieser Suahelikurs wurde als Vorbereitung und verpflichtender Aspekt der Vorbereitung für Tansania durch das Netzwerk der Ehemaligen meiner Entsendeorganisation organisiert. Im Rahmen des Sprachseminar habe ich als Freiwilliger einen ersten und soliden Einblick in die Landessprache bekommen, und darüber hinaus die Werte meiner deutschen Organisation kennengelernt. Auch erste Kontakte mit den anderen Freiwilligen konnte ich dort knüpfen. In Tansania waren die erlernten Fähigkeiten des Sprachkurses eine sehr gute Hilfe um anzukommen. Denn durch diesen Kurs habe ich in einem sicheren Umfeld einen ersten Umgang mit Suaheli von Lehrern beigebracht bekommen, die selber mal in der gleichen Situation wie ich waren. So war der Inhalt sehr nah an der Realität, und darüberhinaus auch noch mit einer sehr professionellen Tiefe in Bezug auf komplexere Bereiche der Grammatik und Kommunikation.
Nach diesem Sprachkurs fand das offizielle Vorbereitungsseminar in Glücksburg bei Artefact statt. Dieses Seminar war mit elf Tagen sogar länger als die verbindliche Tagesanzahl und hat mich als Freiwilligen sehr intensiv auf das bevorstehende Jahr vorbereitet. Der Seminarort, ein auf Nachhaltigkeit ausgelegtes Seminar-/Jugendgebäude mit einem kleinen wissenschaftlichen Areal war eine sehr gute Begegnungsstädte, um sich intensiv und ohne störende Aspekte auf das Jahr vorzubereiten. Im Mittelpunkt standen primär Aspekte, die mir während meinem gesamten Jahr äußerst Hilfreich gewesen sind. So haben wir von unseren eigenen Vorstellungen an das Jahr, zu unserer eigenen Persönlichkeit, zu Vorträgen über gesellschaftliche, geschichtliche, politische Themen zu Tansania, zu ökologischen Themen und Innovationen bis hin zu Aspekten wie den Kulturschock und einer tieferen Bearbeitung von Problemen „belehren“ lassen. Im Seminarprogramm wurde eigentlich sehr vieles angesprochen und näher gebracht, dass in Tansania äußerst hilfreich war. Hier kommt natürlich die langjährige Erfahrung und die kleine Gruppengröße der DTP als positiver Aspekt zum Vorschein. Denn durch die Erfahrung der Entsendeorganisation konnte man in einem theoretischen Kontext erste Berührungspunkte zu späteren Erlebnissen setzen und diese auch erklären. In der kleinen Gruppe konnte man darüberhinaus auch noch individuell begleitet werden. Auch der Austausch mit zurückgekehrten Freiwilligen war sehr wichtig und interessant, da man sich so viele Tipps abholen konnte. Das Vorbereitungsseminar war eine sehr anstrengende Zeit, da das Seminar intensiv und tief gehend war. Aber natürlich gab es auch Zeit zur Entspannung und gemeinsame Zeit mit anderen Freiwilligen. Retrospektiv würde ich das Seminar als eine Zeit der Realisation des Freiwilligendienstes beschrieben, in dem man über die Risiken aufgeklärt wurde, und sehr viele Tipps und Zugangspunkte für das Jahr sammeln konnte.
Direkt nach der Landung in Tansania ging es zum örtlichen Seminar in Tansania. Dieses „Ankunfts-Seminar“ bestand aus einen Sprachkurs mit einem tansanischen Lehrer und ersten Berührungen mit der neuen Umgebung. So wurde durch den einheimischen Lehrer die ersten Suaheli-Kenntnisse vertieft und wir haben alle wichtigen Ansprechpersonen von Seiten der DTP und von der örtlichen Betreuungsorganisation, Tanzania Youth Coalition (TYC), sowie die deutsche Botschaft in Dar es Salaam kennengelernt. In Rahmen von einen Strandtag, einem abendlichen Ausflug zu einer Kultureinrichtung, einen Ausflug in ein Einkaufszentrum für unsere Simkarten, und Ausflügen in die Stadt und einer Stadtrallye haben wir gelernt uns in der neuen Umgebung zurechtzufinden. In diesem Rahmen wurde man sehr gut an bestimmte Verhaltensweisen aufmerksam gemacht und auch die Angst in der Stadt genommen. Durch die ehemalige Freiwillige und tansanische Betreuerinnen wurden wir souverän durch die Stadt geführt und auch Einweisungen auf bestimmte Sicherheitsaspekte fanden statt. Das Gefühl als Gemeinschaft in dieser neuen Situation zu sein habe ich als äußerst beruhigend empfunden.
Nach diesen ersten Tagen habe ich mich sicherer und ein wenig angekommen gefühlt. Danach ging es dann direkt zum Kennenlernen der Gastfamilie und Arbeitsstelle.
In der zweiten Januarwoche fand das sogenannte Zwischenseminar statt. Dieses siebentägige Seminar war wiederum eine sehr gute Möglichkeit sich über das bereits Erlebte in einer sicheren Umgebung auszutauschen und zu reflektieren. Probleme und schwierige Erlebnisse wurden bearbeitet und es wurden auch Ansätze zur Bewältigung von anderen Problemen, wie so typische Aspekte im Arbeitsleben, mitgegeben, die auch noch nach dem Seminar sehr hilfreich waren. Für mich war dieses Seminar ein sehr guter Nährboden. Denn durch die Erlebnisse der anderen, deren Tipps und durch die Seminaraspekte, die sehr individuell auf unsere Interessen angepasst wurden, konnte ich viel für meine weitere Zeit mitnehmen.

Fachliche und persönliche Betreuung durch die AO, TYC und DTP

  • Aufnahmeorganisation:
    Anfänglich wurde ich als Freiwilliger von Euphrasia Shayo betreut. Diese Dame war uns sozusagen als Supervisorin vorgesetzt. Zu Frau Shayo lässt sich sagen, dass die Betreuung eigentlich überhaupt nicht präsent war und wir über Absprachen zum Arbeitsalltag nicht viel mit ihr kommuniziert haben. Erst später wurden wir darüber informiert, dass unsere Supervisorin wegen ähnlichen Problemen mit den Vorfreiwillgen keine Betreuerin von Seiten der AO sein sollte. Im Januar wurde Euphrasia ausgetauscht und Edgar, ein Accountant der NGO, wurde uns als Betreuer vorgesetzt. Da wir Freiwilligen bei ForumCC ein sehr gutes Verhältnis zu Edgar hatten war dies sehr erfrischend. Mit Edgar hätten wir auch unser Kleinprojekt durchführen sollen. Darüberhinaus haben wir mit Edgar auch über andere Probleme reden können. Für weitere Freiwillige ist die Arbeit mit Edgar, einem sozialen und netten jungen Mann, eine Bereicherung und hat Potenzial für eine gute Betreuung.
  • TYC:
    Zu der TYC kann ich persönlich nur sagen, dass von Seiten der TYC eine sehr professionelle Arbeit stattfindet. Über Aziza und der Schwangerschaftsvertretung wurde ich zuverlässig betreut. Auch die Möglichkeit des Ansprechen der Probleme bei ForumCC mit Lenin war hilfreich. Auch wenn mir hier eine gewisse Direktheit gefehlt hat, aber es ist ja scheinbar in der tansanischen Gesellschaft recht tief verwurzelt indirekter zu kommunizieren. Die Betreuung auf den Seminaren war auch sehr gut. Was mir darüberhinaus sehr gefallen hat war die Möglichkeit als deutscher Freiwilliger bei den Bewerbungsgesprächen der Süd-Nord Freiwilligen teilzunehmen und als vollwertiges Mitglied in die Entscheidungsfindung einzubringen. Die Möglichkeit als Jury ein Bewerbungsgespräch mitzuführen ist eine sehr gute Erfahrung für mich gewesen.
  • DTP:
    Die Deutsch Tansanische Partnerschaft e.V. hat mich durchgängig sehr professionell betreut. Auch wenn ich es immer eher als lästig empfunden habe die Monatsberichte zu schreiben, wurde durch diese Berichte eine durchgängige Betreuung und Reflexion ermöglicht, die über den gesamten Frewilligendienst eine Bereicherung war. Spätestens in Tansania ist mir durch den Kontakt mit anderen Freiwilligen auch aufgefallen, dass die Umfänge und die Qualität unserer Seminare nicht mit vielen Seminaren von anderen Organisationen zu vergleichen sind. So hat die DTP durchgängig ein hohes Maß an Qualität in der Betreuung und Vorbereitung auf das Jahr und auch Probleme oder meine Operation wurden sehr gut gelöst. Auch die Arbeit der ehemaligen Freiwilligen war immer professionell und auch sehr angenehm.

Krankheiten und Unterstützung

Während meines Dienstes war ich bis auf die Blinddarmentzündung an sich gar nicht krank und brauchte auch an sich fast keine Unterstützung. Bei der Blinddarmoperation hat sich für mich die Unterstützung von allen Seiten sehr direkt gezeigt. So wurde ich von meiner Gastfmilie, von der TYC und auch von Tanja aus Deutschland aus sehr gut unterstützt.

Zusammenfassung

Auch wenn es von der Arbeitsstelle in Sachen der Kommunikation und dem Umgang mit Freiwilligen ein Verbesserungspotential gibt, waren die Tätigkeiten bei der AO und der gesamte Prozess des Dienstes bei ForumCC eine Bereicherung für mich selber. So habe ich durch die Tätigkeiten und durch das Arbeitsleben viel lernen können. Ich hoffe, dass ich durch meine Art und meinen Einsatz auch etwas bei ForumCC und den Menschen mit denen ich in Berührung kam etwas da geblieben ist. Die Menschen in Tansania haben aber jedoch mehr durch die Arbeit meiner NGO profitiert. Hierbei einen kleinen Teil dazu beigetragen zu haben ist allerdings eine schöne Erfahrung gewesen. Gerne hätte ich durch das Kleinprojekt etwas eigenesend nachweisbares auf die Beine gestellt. Wenn die Anforderungen an die Freiwilligen direkt von Anfang an offen kommuniziert worden wären, wäre ich selber am Anfang auch glücklicher gewesen. Diesen Aspekt kann man aber natürlich an die neuen Freiwilligen bei ForumCC weitergeben.

Eigene Entwicklung

Das Jahr in Tansania ist ein sehr prägendes Jahr für mich gewesen. Das Privileg zu haben einen Freiwilligendienst in einem schon beinahe „exotischen“ Land leisten zu dürfen hat mir viele neue Erfahrungen beschert.
Da ich mittlerweile die Auffassung vertrete, dass der Freiwilligendienst primär ein Zeitraum der Persönlichkeitsentwicklung ist, und keine wirklichen Auswirkungen auf entwicklungspolitische Ziele hat, kann ich über mich sagen, dass ich durch meine Zeit in Tansania sehr viel über mich selbst gelernt habe. Hier wirkten sich die unzähligen kleinen Erlebnisse aus, die mir nahezu jeden Tag passiert sind.
Im Laufe der Monate habe ich viel darüber gelernt, was es wirklich heißt in einem Büro zu arbeiten und arbeitsbedingt eine gewisse Selbstständigkeit aufzubauen. Diese Selbstständigkeit kam auch mit der Erkenntnis, dass ich gerne eine Aufgabe habe. Dies hatte mich in den ersten Monaten noch sehr stark beschäftigt, da mir persönlich zu wenig Aufgaben von anderen Menschen gegeben wurde. Diese Entwicklung zur Selbstständigkeit hin empfinde ich als einen Gewinn. Denn so habe ich auch gelernt wahrzunehmen, was in bestimmten Situationen benötigt wird, aber auch Ausschau für neue Möglichkeiten zu bekommen. Mir ist darüber hinaus klar geworden, dass ich es wichtig finde klare Strukturen und Prozesse und eine direkte Kommunikation zu haben. An manchen Punkten ist dieser Charakterzug mit der tendenziell indirekteren Tansanischen Kommunikation teilweise hinderlich. Da ich an manchen Stellen auch über das Ziel hinaus geschossen bin war es für mich auch wichtig Kritik zu erfahren.
Persönlich hat mir das Jahr auch gezeigt, wie es ist anders zu sein. Mit meiner „weißen“ Hautfarbe bin ich jeden Tag aufgefallen und wurde teilweise anders behandelt. Da dies in dem Zwischenseminar ausgiebig behandelt wurde, habe ich viel über meine Selbstwahrnehmung gelernt. Denn was heißt es eigentlich „weiß“ zu sein? Leider ist meine Herkunft ein Privileg und dies ist mir durch das Jahr sehr aufgefallen. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen in einem guten Haushalt und in Deutschland aufgewachsen zu sein.
Generell habe ich mich in Tansania als jemand erlebt, der genau wusste was er für sich selber wollte. Ich habe mir gerne Zeit genommen alleine in die Stadt zu fahren, durch Kariakoo zu bummeln oder auch alleine meinen sonntäglichen Kaffee zu trinken. Wäre das Jahr in Tansania weiter gegangen hätte ich dies mit weiteren Interessen verknüpft und das Jahr als ein Jahr für mich genutzt.
Durch meine Gastfamilie durfte ich auch eine sehr innige Freundschaft mit meinen Gastbruder erleben und sehen, wie Familie in Tansania gelebt wird. Dies habe ich die gesamte Zeit sehr genossen.

Schwierigkeiten

Den einzigen Punkt der mir hierzu einfällt würde ich nicht als Schwierigkeit beschreiben, sondern viel mehr als eine Herausforderung: Ich bin in Tansania „anders“ gewesen. Mein kultureller Hintergrund und meine Nationalität, mit der einhergehenden Hautfarbe, hat mich von den Menschen unterschieden. So waren meine Auffassungen, gewisse Selbstverständlichkeiten, mein Freiheitsverständnis und auch meine Art an vielen Stellen sehr unterschiedlich zu denen der lokalen Bevölkerung. Für mich war es selbstverständlich, dass ich frei entscheiden kann was ich in welchem Rahmen mache. Für mich war es selbstverständlich das ich mich auch mal kritisch gegenüber bestimmten politischen Ideologien, Personen und Thematiken äußern darf. Und für mich war es auch selbstverständlich nicht im Alltag aufzufallen. Mit all diesen Selbstverständlichkeiten wurde ich im Laufe des Jahres immer wieder konfrontiert. Denn Anonymität im Alltag habe ich in Tansania nie gehabt. Das Demokratieverständnis, welches leider auch durch Magufuli immer stärkere Tendenzen zu einer Autokratie beweist, und ein gewisser Drang zu einer Freiheit (für mich und für die Gesellschaft in der ich lebe) wurde in Tansania immer wieder auf die Probe gestellt. Es ist so völlig normal sich nicht kritisch gegenüber den Präsidenten zu äußern.
Bei der Bewältigung der Herausforderung hat mir ein Feingefühl im Umgang mit der Kultur geholfen. Sich beispielsweise kritisch und offen damit auseinanderzusetzen, warum man als weißer anders betrachtet wird und auch kulturoffen sich mit politischen und gesellschaftlichen Thematiken zu beschäftigen hat mir geholfen Aktionen und Gedankengänge zu verstehen. Für mich ist es äußerst wichtig gewesen, dass ich ein Gast in der Kultur bin und das Land verstehen muss. Die Menschen und ihre Gepflogenheiten zu verstehen war für mich ein existenzieller Bestandteil des gesamten Jahres. Hierdurch hat sich auch immer wieder bestätigt, welches Privileg meine eigene Erziehung gewesen ist. Der Dienst hat mir aber auch mit seinen Lehren gezeigt, wie wichtig ein kulturelles Verständnis ist und was für schöne Seiten tansanische Selbstverständlichkeiten auch haben. Zurück in Deutschland habe ich die „tansanische“ Offenheit im Alltag sehr vermisst. Ehrlich gesagt hätte ich dies nie gedacht, da es mir am Anfang immer lästig erschien von fremden Leuten angesprochen zu werden und beim Einkauf immer ein kleines Pläuschen zu führen.
Zusammengefasst war das gesamte Jahr ein Lernerfolg für mich. Die Auseinandersetzungen mit mir selbst und einer neuen Kultur hat mich nur bereichern können. Mir hat das Jahr aber auch gezeigt wie wichtig es ist sich auf neue Sachen einzulassen, über seine Komfortzone hinaus zugehen und über sich selbst und seine Handlungen kritisch nachzudenken. Zeit für sich selber und eigene Probleme zu nehmen und auch Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen ist mir seit Tansania eine Herzensangelegenheit.

Vor- und Nachbereitung und Ausblick

Berufsorientierung

Mein Interesse in politische Prozesse und politischer Arbeit hatte mich um ehrlich zu sein dazu bewegt mich bei Weltwärts für einen Freiwilligendienst zu bewerben. So klang die Arbeit bei ForumCC als äußerst interessant für mich. In Tansania hat mich dann allerdings die Realität eingeholt und ich habe gelernt was alles zu dieser Arbeit dazu gehört. Um ganz ehrlich zu sein hatte ich mir am Anfang des Jahres vorgestellt mit ForumCC direkt an politischen Prozessen mitzuarbeiten oder an Hintergrundgesprächen mit Politikern teilzunehmen. Die Arbeit von ForumCC hat mir dann gezeigt, wie viel mehr dazu gehört und was den wirklichen Kern der Arbeit ausmacht. Es. Hat mir aber auch gezeigt, dass am Ende nicht all zu viel in der Politik ankommt. Allerdings hat mir die Arbeit ein gewisses Können im Netzwerken gezeigt und an Erfahrung bereichert. Diese Erkenntnisse möchte ich auch langfristig weiter nutzen. Ich habe gelernt wie wichtig es mir ist, an gesellschaftspolitischen Prozessen mitzuwirken und ein Wissen in einem Fachbereich meiner Wahl zu haben. Deshalb habe ich mich nach diesem Jahr um einen Studienplatz in „Philosophy, Politics and Economics“ beworben. Ich erhoffe mir so meinen Weg zu gehen und Probleme durch ein interdisziplinäres Wissen und eine interdisziplinäre Art lösen zu können. So hat mich Tansania in meinem gesellschaftspolitischen Antrieb bestätigt.

Persönliche Einstellungen

Prinzipiell muss ich sagen, dass ich selber an meinem Dienst am meisten profitiert habe. Denn wie bereits erwähnt war der weltwärts Freiwilligendienst primär ein Persönlichkeitsbildungsprozess für mich, den ich als durchgehenden Lernprozess erleben durfte. Neben prägenden persönlichen Erfahrungen wurde ich auch sehr stark für Aspekte sensibilisiert, die mir vorher nicht so präsent waren. Denn zu entwicklungspolitischen Fragestellungen hatte ich neben den Unterrichtsbestandteilen aus meinen Geografiegrundkurs keine weiteren Zugangspunkte gehabt. Allerdings ist es meiner Entsendeorganisation von Anfang an wichtig gewesen die Entwicklungspolitik und Entwicklungszusammenarbeit genauer und auch kritisch zu betrachten und so wurden auch die Aspekte des Freiwilligendienst und anderen Entwicklungsprojekten immer wieder kritisch beäugt und es gab Platz zur Reflexion über Entwicklungspolitik. So wurde mir auch klar, dass es viele Probleme in der Entwicklungspolitik gibt.
Mir liegen persönlich seit diesem Jahr drei Aspekte verstärkt am Herzen. Zum einen der sensibilisierte Umgang mit Nachhaltigkeit. Durch die Situation in Tansania habe ich gelernt sensibler auf das eigene Konsumverhalten zu schauen. Dies bedeutet für mich nicht, dass man direkt vegan sein muss, sondern seinen generellen Konsum zu hinterfragen. Ein langfristiges nachhaltiges Handeln, vor dem Hintergrund dass wir in unserer Auswahl sehr privilegiert sind und andere Menschen mittelbar und unmittelbar von unserem Konsum betroffen sind ( entlang des Produktzyklus und auch durch die Auswirkungen unserem Konsums), ist für mich sehr wichtig geworden.
Der zweite Aspekt ist in der Tat auch die globale Gerechtigkeit und hierbei auch unser koloniales Erbe, was wir in Europa auch zu beachten haben müssen. Denn als deutscher Abiturient bin ich sehr privilegiert. Ich kann frei entscheiden, was ich nach meinem Abitur machen kann und muss mir keine existenziellen Sorgen über meine Zukunft machen. Vielmehr macht man sich Sorgen über ein Überangebot an Verwirklichungsmöglichkeiten, die andere Menschen auf der ganzen Weltgar nicht haben. In der Tat habe ich auch das Privileg genießen können in einem Land, weit entfernt von meiner Heimat, als Freiwilliger zu arbeiten. Hierbei wurde ich wiederrum auch nicht so behandelt, wie es People of Colour in Deutschland ständig erfahren, sondern mit Respekt (und natürlich auch Stereotypen). Allerdings ist es für mich nie ein sehr großes Hindernis gewesen weiß zu sein. Um diesen losen Gedanken zusammenzufassen: Ich habe erlebt, was es heißt in einer Industrienation geboren zu sein. Die soziale Absicherung, ein hohes Bildungsniveau und eine Perspektive steht in keinen Vergleich zu den Erlebnissen und Ängsten von Gleichaltrigen in Tansania.
Was für mich auch sehr prägend war, war wie sehr das gesamte Leben auch von der Politik abhängig ist. Aus eigener Initiative habe ich mich mit dem Landesdirektor der Konrad-Adenauer-Stiftung in Dar es Salaam getroffen, der mir einen Einblick in die politischen Geschehnisse im Land gegeben hat. Hierdurch ist mir klar geworden, dass Demokratie nicht gleich Demokratie ist. Denn während in Deutschland die Rechtsstaatlichkeit ein hohes Gut ist und für uns die Würde des Menschen im Grundgesetz verankert ist, gibt es in anderen Ländern der Welt viele Probleme mit der Demokratie. Auch in Tansania konnte man das am immer stärkeren autokratischen Verhalten des Präsidenten sehen, durch den die Opposition teilweise stillgelegt wird und auch viele Minderheiten (z.B. Homosexuelle Menschen) unterdrückt werden. Unter diesem Aspekt ist mir die Demokratie und die Möglichkeiten der Demokratie sehr wichtig geworden, aber ich habe auch zu verstehen bekommen, warum es in vielen Ländern der Welt auch an der Umsetzung des europäischen Demokratieverständnisses hadert.
Einen losen Gedanken, der mir im Rahmen des Jahres immer wieder aufgekommen ist, ist der Fakt, dass Entwicklungspolitik auch immer Interessenpolitik ist. Am Beispiel der Investitionen Chinas lassen sich so zum Beispiel geopolitische Absichten und auch gewisse Abhängigkeiten erkennen. Ein Beispiel hierfür sind die Investitionen in afrikanische Länder, einhergehend mit Infrastruktur, aber auch mit strategischen Bereichen, wie zum Beispiel Militärstandorten. Was ich auch mitnehmen werde ist auch der Aspekt, das die europäische Union und Deutschland mit ihrer Entwicklungspolitik eigene Ziele verfolgen. Länder wie Tansania sollen stabil bleiben, um auch potenzielle Flüchtlingsbewegungen zu unterbinden, während man dennoch auch daran interessiert ist seine eigene (die deutsche Position) auf dem Weltmarkt weiter zu sichern. Denn wirtschaftlich gestärkte Entwicklungsländer / Schwellenländer stellen natürlich auch einen Abgang des eigenen Marktanteil wieder. Und an dieser Stelle frage ich mich nach diesem Jahr, was eigentlich das Ziel der deutschen Entwicklungspolitik ist. Sollen Länder gestärkt werden, oder Länder nur so weit an die Märkte entgegengebracht und gefördert werden solange sie keine Konkurrenz zu unseren eigenen wirtschaftlichen Interessen darstellen?
Ich persönlich würde es deshalb so sagen, dass der Freiwilligendienst ein absoluter Gewinn für meine persönliche Entwicklung gewesen ist, aber für einen Mehrwert für die örtliche Bevölkerung konnte ich allerdings nicht beitragen.
Diesen Aspekten gesondert möchte ich nochmal meine Einstellung zum Klimaschutz und erneuerbaren Energien darstellen:
Wie bereits erwähnt ist mir der Klimaschutz vor Tansania nicht als besonders wichtig erschienen. So hatte ich bereits von sozusagen von zuhause aus schon eine nachhaltige Einstellung zu meiner Umwelt aber eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Klimaschutz habe ich nie gehabt. Fridays for Future schien mir mit ihren Forderungen schon recht weit fern von der Realität.
Mein Freiwilligendienst hat mir die Notwendigkeit nach einer langfristigen Nachhaltigkeit gezeigt. Ich bin immer noch nicht mit vielen Einstellungen von Friedas for Future einverstanden, es ist mir aber wichtig Lösungen zu fordern, die umsetzbar sind und anders als die“Pre-Corona“ Verhaltensweisen sind. Für mich fängt dies bei einem selber im eigenen Konsum an und geht dann aber auch in eine langfristig umsetzbare politische Planung um. Meine aktuellen politische Erfahrungen aus der Begleitung des Landratskandidaten der CDU in meinem Landkreis zeigt mir aber auch, dass ein Ruf nach Nachhaltigkeit und einer ökologischeren Orientierung auch in vielen Bereichen wiederzufinden ist. Jedoch muss man auch immer beachten, dass ein vielen Bereichen auch Menschen von der Veränderung unmittelbar betroffen sind. So kann nicht jeder Landwirt von jetzt auf gleich ein Biolandwirt werden oder von jetzt auf gleich auf Energie aus Kohle verzichtet werden. Da es aber existenziell wichtig ist, dass wir uns verändern muss dieser Wandel in einem Umsetzbaren Verhältnis geschehen. Nur auf Elektromobilität und einen Kohleaussstieg zu pochen, ohne ausreichend entwickelten Technologien, halte ich aber immer noch als nicht umsetzbar.
Aber hier haben wir als Deutschland wieder ein Privileg: Wir können einen nachhaltigen Plan auch umsetzen, und können mit Zukunftstechnologien ein Beispiel setzen.
An dieser Entwicklung möchte ich meinen eigenen Input leisten, wobei es wichtig ist aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen einen Konsens zu schaffen, mit dem wir unseren Beitrag zum weltweiten Klimaschutz und einer zukunftsorientierten Entwicklung leisten können. So setze ich mir gerade durch mein politisches Engagement und meinen Studiengang die ersten Bausteine um dies in der Zukunft weiter anzugehen.

Die 5 Monate Freiwilligendienst in Deutschland

Ende März ausreisen zu müssen war ein sehr schwieriges Erlebnis für mich. Von jetzt auf gleich aus meinen aufgebauten Strukturen hinausgerissen zu werden hat mich sehr lange beschäftig. All die Pläne die man hatte wurden plötzlich zerstört. Deshalb brauchte ich auch noch einige Monate um über den plötzlichen Abschied aus Tansania hinwegzukommen. Dies war ein Prozess den ich sehr stark mit mir selber ausgemacht habe und den ich auch erst einige Monate später erst so richtig verstanden habe. Der plötzliche Abschied aus Tansania hat mir gezeigt wie etwas selbstverständliches, der Gedanke das Jahr in Tansania zu beenden, auch verpuffen kann. Darüberhinaus hat mir unser Ausflug auch wieder unser Privileg aufgezeigt, dass wir die Chance hatten recht einfach in eine sichere Umgebung zurückzukehren, während Kollegen, Freunde und die Gastfamilie teilweiser existenzielle Herausforderungen gestellt wurden.
Die Rückkehr in eine neue Realität in ein Deutschland, dass aussah wie zum Abflug aber von der Corona-Pandemie sehr geprägt wurde, war eine große Herausforderung. Probleme die ich in Tansania hatte waren auf einmal sehr fern und neue Probleme haben sich gebildet.
Es war eine große Herausforderung für mich mit dem neuem Freiwilligendienst zurecht zu kommen. Da ich in meinem Arbeitsprozessen eine direkte Arbeitsmöglichkeit suche konnte ich mich nicht mit der Daueraufgabe der eigenen Weiterbildung per Text-, Audio-, und Videoquellen anfreunden. Hierzu kam es erschwerend für mich hinzu, dass der entwicklungspolitische Hintergrund für mich nichtmehr so greifend gewesen ist, da ich mich wieder in einem entwickelten Land befunden habe. Aus diesen Gründen hat es für mich sehr lange gedauert, bis ich die Arbeit an den entwicklungspolitischen Themen aufgenommen habe. Allerdings hat es sich dann im Laufe der letzten Monate immer weiter normalisiert mich zumindest eine halbe Stunde am Tag mit einem Podcast, Text oder einem Video zu beschäftigen. Hierbei habe ich, wie es wahrscheinlich auch sehr stark aufgefallen ist, diese Arbeit nicht dokumentiert.
Was ich als eine Bereicherung mitnehmen konnte war die Arbeit mit dem Chumbe Island Team. Anhand diesem realen Projekt konnte ich im Bereich des Fundraising weitere Erfahrungen sammeln und für Chumbe eine Kontaktliste mit Unternehmen, Airlines, Botschaften, Online-Foren, Stiftungen und politischen und internationalen Einrichtungen anlegen, welche für die Wiederaufnahme des Betriebs hilfreich sind.
Innerhalb dieser fünf Monaten habe ich zunächst gelernt, was es heißt die Corona Krise in Deutschland zu verbringen. Allein politisch wurde in Deutschland so viel geleistet, was man sich in vielen Ländern der Welt gar nicht vorstellen kann. Allein der Fakt, dass man es sich leisten konnte darüber nachzudenken Klopapier und Nudeln zu horten und wenn überhaupt nur mit Kurzarbeit konfrontiert werden musste, hat mir gezeigt, wie gut es uns geht. Aus den fünf Monaten und meinen Erlebnissen aus der Auseinandersetzung mit den SDGs und auch meiner eigenen Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Entwicklungen hat mir aufgezeigt, an welchem wichtigen Punkt wir gerade stehen. Die aktuelle Situation hat uns die einmalige Möglichkeit gegeben über bisherig als normal angesehen Aspekte auch mal anders nachzudenken. Ich empfinde aktuelle ein Gefühl der neuen Möglichkeiten. Denkweisen ändern sich gerade sehr stark und ich kann dies anhand meiner eigenen veränderten Denkweisen bestätigen. Die Beschäftigung mit den SDGs und der Entwicklungszusammenarbeit hat mir gezeigt, dass man dies auch auf einer globalen Ebene eventuell angehen kann.

Februar 2020

Safari durch Dar es Salaam

Mein Februar begann mit der Auseinandersetzung, was auf der Arbeit besser laufen könnte. Denn nach dem Zwischenseminar sind verschiedene Aspekte klargeworden, die man im alltäglichem Arbeiten und im Umgang mit Freiwilligen in einer Aufnahmeorganisation verbessern könnte. Da es zwischen der “deutschen Arbeitsweise” und der Arbeitsweise hier natürlich Unterschiede gibt, ist es für mich als Freiwilliger anfänglich schwergefallen mich auf diese Änderung der Arbeitsweise einzustellen. Denn man kann schon sagen, dass wir Deutsche gerne eine Arbeitsweise haben in der Schnelligkeit und Effizienz Priorität haben. Ich glaube, dass da verschiedene Vorurteile über uns Deutsche auch nachvollziehbar sind. Jedenfalls kann ich nun auch sagen, dass arbeitstechnische Unterschiede zwischen Kulturen ganz natürlich sind. Um unseren nächsten Freiwilligen den Einstieg zu verbessern, erarbeite ich deshalb gerade einen Umgang für Freiwillige und tansanische Mitarbeiter, um diesen Lernprozess zwischen den Arbeitsweisen und der generellen Umstellung gut zu begleiten und so den Einsteg einfacher zu machen.
Daneben war das Hauptthema des Monats für uns Freiwillige die erste Ausarbeitung einer Idee für ein sogenanntes Kleinprojekt. Denn bei meiner “Weltwärts” Entsendeorganisation ist es seit mehreren Jahren Voraussetzung, dass jeder der Freiwilligen in Ihren Organisationen ein Kleinprojekt durchführt, welches sich mit der Orientierung der örtlichen NGO und unserer deutschen Organisation deckt. Dieses Projekt beruht auch auf einer Vorgabe der tansanischen Regierung, die ein solches Projekt als Voraussetzung für unsere Arbeitserlaubnis setzt. Ich persönlich finde das wichtig, denn so wird auf der einen Seite vorgeschrieben, dass Teile der tansanischen Bevölkerung an unserer Arbeit profitieren und durch die Durchführung eines eigenem Projektes habe ich die einmalige Möglichkeit das erste Mal zu lernen, wie man ein Projekt plant, ein Budget formuliert, ein Proposal schreibt und dann das Projekt durchführt. Wobei man dann auf die Einhaltung des Budgets, dem Erfolg des Projektes und der richtigen Protokollierung achten muss.
Aktuell ist die Projektidee meines Mitfreiwilligen und mir, dass wir das ehemalige Projekt unserer Vorfreiwilligen aufnehmen und dies in einen erweiterten Kontext setzen. Unsere Vorfreiwilligen haben mit lokalen Frauengruppen zusammengearbeitet und denen mit gesponserten Mülleimern einen richtigen Umgang mit Müll aufgezeigt und dadurch haben sich auch neue Ideen entwickelt. Mein Mitfreiwilliger und ich möchten die Expertise dieser Frauengruppen jetzt nutzen um mit diesen mehr Frauengruppen in Dar es Salaam zu erreichen und sogenannte “best-practise” Modelle erarbeiten. So erhoffen wir uns Möglichkeiten zu finden aus Müll Einnahmemöglichkeiten für die Frauen zu schaffen. Aber das werde ich im nächsten Bericht genauer vorstellen. Denn mitten im Februar stand ein lang ersehntes Erlebnis an: Meine Großeltern und mein älterer Bruder haben mich hier in Tansania besucht. Da das natürlich ein sehr persönliches Ereignis war werde ich mich hier nur darauf beschränken zu beschrieben, wie es für mich war meiner Familie meine neue Heimat zu zeigen.
Also landete meine Familie am Samstag, dem 15. Februar, in Dar es Salaam und ehrlich gesagt war ich zum Zeitpunkt der Landung dank des Dar es Salaamer Verkehrs noch gar nicht am Flughafen. Aber dank verschiedener Sicherheitsmaßnahmen gegen den Coronavirus und dank des etwas längeren Einreiseprozess, war es dann doch genügend Zeit um am Flughafen mit einem Kaffee auf meine Familie zu warten. Irgendwann war es dann soweit, und die drei Reisenden sind nacheinander im Foyer des Flughafen angekommen und dann ging es direkt auch schon quer durch Dar es Salaam zu meiner Gastfamilie.
Da wir ganz am anderem Ende von Dar es Salaam wohnen, genauer gesagt ganz im Norden der Stadt, habe ich die ersten zwei Stunden im Auto damit genutzt meine Familie mit Fakten und Erfahrungen der Stadt voll zu reden. Wovon sie im gleichem Moment wahrscheinlich wieder 90% vergessen hatten, da auch währenddessen noch mehr visueller Input von allen Seiten stattgefunden hat. Denn in einer neuen Stadt, in einem anderem Land und auf einem anderen Kontinent ist natürlich viel neu. Andere Gerüche, andere Architektur, andere Autos - alles nur kleine Beispiele.
Nach der Fahrt wurde meine Familie von meiner Gastfamilie begrüßt. Nach einer Tour durch unseren Garten hieß es für die Reisenden das erste Mal tansanisches Essen zu kosten und unseren selbstgerechten Saft zu trinken. Saft, der zwar aus Früchten und abgekochten Wasser zubereitet wurde war für eines unserer Reisemitglieder erstmal eine Überwindung. Nach dem Essen und nach der Überreichung von Gastgeschenken ging es für uns reisende in ein AirBnB in Masaki, der Halbinsel in Dar es Salaam auf der eher die reichere Bevölkerungsschicht lebt. Das hat sich dann auch daran gezeigt, dass dieses AirBnB-Wohnung mit 168 qm auf einer Etage gefühlt viermal so groß war wie das Haus meiner Gastfamilie. Am nächsten Tag habe ich eine Stadtführung gemacht und es war ehrlich gesagt sehr interessant mal als Tourist durch Dar es Salaam zu laufen und auch immer ein Auge auf meine Familie zu haben. Auch hier ist mir aufgefallen, wie alltäglich die Stadt schon für mich geworden ist und anfängliche Ängste gar nicht mehr präsent sind…

Nach den zwei Tagen in Dar es Salaam ging es dann auf Safari, wozu sie eine Bilderreihe auf meiner Eingenen Webseite finden.

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Festessen für die Gäste

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Dar es Salaams Skyline

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Dar es Salaam aus der 31. Etage eines Hochhauses

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Auf dem Kariakoo Markt, einem der größten Märkte Ostafrikas

Januar 2020

Neujahrsreflektion

Ein neuer Monat, ein neues Jahr und ein neues Jahrzehnt.
All das durfte ich dank meinem Freiwilligendienst auf Sansibar am Strand erleben. Zusammen mit den meisten meiner Mitfreiwilligen des Deutsch Tansanischen Partnerschaft e.V. habe ich so das Silvesterfest und ein paar weitere Tage im Tropenparadies Sansibar verbringen können. Nach ein paar Tagen des gemeinsamen Urlaub ging es dann aber auch für unseren gesamten Jahrgang nach Dar es Salaam, denn das Zwischenseminar des Weltwärts-Dienstes lag an.

Da das Seminar primär dafür da ist, die letzten Monate zu reflektieren, sich über positive und negative Erfahrungen auszutauschen und neuen Schwung und Input für Ideen für die nächsten Monate zu sammeln, war das Seminar schon in den Wochen zuvor ein wenig präsent. So habe ich mir schon vor dem Seminar ein paar Gedanken gemacht. Wie läuft der Freiwilligendienst bei den anderen? Was haben meine Mitfreiwilligen bereits erlebt? Wie gut sprechen die Anderen Suaheli? Solche Fragen und ehrlich gesagt noch viel mehr schwirrten ab und zu in meinem Kopf herum.

Und dann war es Anfang Januar soweit und ich saß genau dort wo ich vor knapp fünf Monaten im August direkt nach meiner Ankunft in Tansania schon saß: auf der Couch in einem Hostel, angeschlossen zu einem Schweizer Franziskanerkloster. Allerdings bin ich nicht mehr der Lennart, der knapp 24 Stunden vor dem erstmaligen Hinsetzen im Hostel sich von seiner Familie in Deutschland verabschiedet hatte. Mittlerweile lebe ich schon seit mehr als fünf Monaten in Tansania, habe mich auf meiner Arbeitsstelle eingelebt, habe den Norden Tansanias bereist und komme mittlerweile mit meinem Suaheli gut über den Tag. Ehrlich gesagt fällt es mir jetzt auch erst beim schreiben so richtig auf, wie ich mich selber in den letzten Monaten verändert habe. Und damit scheine ich auch nicht der einzige zu sein, denn während des Seminars wurde einem an vielen Stellen klar, dass sich bei jedem meiner Mitfreiwilligen etwas verändert hat.

So war man wieder am gleichem Ort wie vor fünf Monaten und auch wenn sich der Ort nicht viel verändert hat, alles anders. Nach der Ankunft im sogenannten Msimbazi Centre, eine “Gated-Community” von verschieden Kirchen und Schulen, etwas außerhalb der Innenstadt, aber trotzdem noch zentral gelegen, wurde ein Seminarplan mit verschiedensten Blöcken ausgearbeitet. Unser Seminar war darauf ausgelegt auf unsere Erlebnisse, Probleme und zukünftigen Ideen einzugehen.
Ob es die gesonderte Wahrnehmung von einem selbst durch seine Hautfarbe, Rassismus, problematische tansanische Angewohnheiten oder auch Ideen für Projekte, in einem ausführlichen Seminarprogram konnte ich über meine letzten fünf Monate reflektieren. Aber auch mit Kritik am eigenen Verhalten, Denkensweisen und auch generell am Freiwilligendienst / Volunteering haben wir uns im Rahmen des Seminars auseinander gesetzt.

Da diese Thematiken sehr persönlich sind möchte ich nur auf ein Thema eingehen und hierdurch genauer darstellen weshalb ein solches Seminar wichtig für einen erfolgreichen Freiwilligendienst ist.

Denn auch wenn ein solches Seminar für den “Weltwärts” Freiwilligendienst vorgeschrieben ist, ist die professionelle Umsetzung der Seminare bei vielen Organisationen nicht immer gegeben. So erfährt man im Austausch mit manch anderen Freiwilligen, dass ihre Seminare eher ein lockeres Austauschen mit entspannten Abenden und Freizeitaktivitäten gewesen ist. Bei denen man sich zwar über seine Erfahrungen ausgetauscht hat, aber der Fokus nicht ganz auf diesen Prozess gesetzt wurde. Hier lässt sich dann auch Kritik an den Freiwilligendiensten äußern, denn für mich persönlich ist es notwendig, dass man sich intensiv mit seinem Erfahrungen aussetzt, da das meiste Erfahrene meist nicht nur durch die Erfahrung abgeschlossen ist.

Was ich damit meine lässt sich an diesem Beispiel erklären:

Als Weißer werde ich aufgrund meiner Hautfarbe auf der Straße regelmäßig als “Mzungu” angesprochen. Mzungu ist Suaheli und bedeutet so viel wie Europäer oder weißer Mann. Egal ob ich in einem Bus steige, mir jemand etwas verkaufen möchte, ich Taxi oder Uber fahre oder selbst ins Krankenhaus gehe: überall werde ich zuerst als Mzungu angesprochen. Es passiert sogar häufig, dass man an der Straße auch gerne ein Mzungu hört oder Kinder auf mich zukommen und mich so nennen. In den ersten Wochen ist mir dies immer sehr negativ aufgefallen. Meine Gedanken haben sich häufig darum gedreht, dass ich doch nicht aufgrund meiner Hautfarbe auffallen möchte und vor allem doch nicht wegen meiner Hautfarbe gesondert angesprochen werden möchte. Auch wenn es sich bei mir nach einiger Zeit das Problem nicht mehr echauffiert hat, war das Seminar ein guter Punkt sich mit anderen über solche Sachen auszutauschen und mal genauer nachzudenken. Denn auch wenn man sagen könnte, dass es unheimlich rassistisch ist, jemanden aufgrund seiner Hautfarbe mit einer Bezeichnung für eine Bevölkerungsgruppe zu rufen ist es in der tansanischen Gesellschaft gar nicht böse gemeint. Denn nach meinen Beobachtungen erscheint mir die Gesellschaft hier als eine in der es höflich ist, bestimmte Mitglieder der Gesellschaft mit einer Bezeichnung für verschiedene Bevölkerungsgruppen anzusprechen. So werden Lehrer mit dem tansanischen Wort “Mwalimu” (Lehrer) angesprochen, Sicherheitsmänner mit “Kommanda” und selbst der Konduktor im Bus mit “Konda” angesprochen. Und so ist es hier auch ein Zeichen der Höflichkeit Personen gesondert anzusprechen. Genauso verläuft es dann auch bei mir, wenn ich mit Mzungu angesprochen werde. Da mich die meisten nicht bei Namen kennen ist es natürlich, dass man mich dann erst mit dem Begriff für meine Herkunft anzusprechen.
Mein Seminar hat mir an dieser Stelle auch geholfen darüber mehr nachzudenken und dadurch wurden dann auch Probleme damit gelöst.
Nach dem Seminar fühle ich mich jetzt vorbereitet auf ein weiteres halbes Jahr in Tansania und starte jetzt auf meiner Arbeit wieder, wo im Februar und März die Planung für ein eigenes Projekt stattfindet.

Dezember 2019

Den Beginn des Dezembers verbachte ich noch mitten im Urlaub, abgeschottet von der Außenwelt am Lake Chala nahe der kenianischen Grenze. Um es genauer zu beschreiben verläuft die zu Kolonialzeiten gezogene Grenze zwischen Tansania und Kenia mitten durch den Lake Chala. Während einer Kanutour durch diesen See bin ich bei einem zwischenzeitlichen und kurzen illegalen Grenzübergang also mit der Kolonialvergangenheit in Berührung gekommen. Meinen Dezember und Weihnachtsmonat könnte man insgesamt als ein Weihnachten mit kolonialen Grüßen beschreiben. Auch wenn dieser Titel zu allererst ein wenig extrem klingt werde ich diesen Titel später ein wenig erklären.

Meine ersten Tage des Dezembers habe ich damit verbracht mich mit leichten Symptomen einer Höhenkrankheit, Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit, auf den Kilimanjaro hinaufzuwinden. In der Tat brauchte viel Überwindung für diesen Aufstieg aber am 3. Dezember war ich dann endlich wieder auf einer angenehmen Höhe. Leider konnte ich aufgrund der schwindenden Kräfte nicht dazu bringen am Gipfel den Akku meiner Kamera zu tauschen und Fotos zu machen, wodurch mir eine detaillierte bildliche Darstellung des Gipfels hier fehlt. Falls Sie sich aber ein genaues Bild des Gipfels machen möchten findet man bestimmt einige Bilder von weiteren Irren, die es auch auf den höchsten freistehenden Berg der Welt geschafft haben, auf Google oder versuchen Sie sich auch mit einer Besteigung des Kilimajaro. Da der Kilimanjaro nach den Worten unseren Guides eh nur ein “piece of cake” wird dies auch gar nicht so schwer sein. Wenn Ihnen das allerdings zu viel ist können Sie einen detaillierten Bericht meiner Kilimanjaro Besteigung auf meinem Blog Plötzlich in Afrika entspannt vom Sofa aus durchlesen.

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Die Morgensonne vom Gipfel

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Auf dem Gipfel

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Am Ende der Wanderung

Nach der Wanderung ging es dann, wie bereits erwähnt, in Richtung der kenianischen Grenze zu Lake Chala. Wie man diesem Bild entnehmen kann verläuft die tansanischkenianische Grenze direkt durch diesen See. An diesem Überbleibsel der Kolonialzeit habe ich mit meinem Mitfreiwilligen unsere letzten Urlaubstage ausklingen gelassen und als die einzigen Gäste auf einem Campingplatz die Ruhe genossen. Das einer der Tage der Nikolaustag war ist uns da fast nicht aufgefallen.

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Kanutour auf dem Lake Chala

Vom Chala-See ging es dann direkt wieder nach Dar es Salaam und ins Büro zurück. Dort, kurz vor den Jahresende und kurz vor dem offiziellen Urlaub des gesamten Büros, war auch aufgrund der COP25 im Büro wenig zu tun. Zur COP25, die 25. UN-Klimakonferenz, werden unterschiedlichste Vertreter aller UN-Mitgliedstaaten eingeladen und arbeiten an der Umsetzung des Klimavertrages von Paris. Hier werden bilaterale Verträge und Erklärungen zum Klimaschutz abgeschlossen und unzählige Veranstaltungen im Programm der Konferenz ermöglichen auch Nichtregierungsorganisationen, Unternehmen und Aktivisten ihre Stimme zu erheben, um Einfluss auf die Entscheidungsträger der Länder zu bringen. Größere Ambitionen und höhere Ziele der Staaten für mehr Klimaschutz standen im Mittelpunkt des UN-Klimagipfels in Madrid.
Für mehr Informationen kann ich diese Links empfehlen:

So ist auch die Geschäftsführung unserer NGO von Tansania nach Madrid gereist, um dort die zuvor gesammelte Position der tansanischen zivilgesellschaftlichen Organisation, mit Fokus auf Klimaschutz, zu repräsentieren. Allerdings ist das Endergebnis der 25. UN-Klimakonferenz international von Vertretern verschiedenster Seiten kritisiert worden. Martin Kaiser von der Umweltschutzorganisation “Greenpeace” beschreibt die Klimaschutzkonferenz als einen Angriff auf das Herz des Pariser Abkommens und auch der UN-Generalsekretär Antonio Guterres zeigte sich auf Twitter enttäuscht von dem Ergebnis der COP 25. Als Resultat verständigten sich die Delegationen aus fast 200 Ländern darauf, die Notwendigkeit anzuerkennen, dass alle Länder ihre nationalen Klimaschutzziele anheben. Von Umweltund Entwicklungsorganisationen wurden, wie bereits erwähnt die Beschlüsse als völlig unzureichend für die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens kritisiert.
Eine Zusammenfassung der Ergebnisse findet man hier.

Die fehlende Geschäftsführung hat sich bei uns auf der Arbeitsstelle auch durch eine lockerere Arbeitsmentalität abgezeichnet. Zusätzlich dazu lagen keine Events mehr an, was auch die Aufgaben verringert hat. So habe ich in diesem letzten Tagen des Dezembers Zeit damit verbringen können weitere mich um ein weiteres eigenes Projekt kümmern können:
“MyMarkMyCity”. Im Rahmen eines Events, dass ich durch ForumCC besuchen konnte, habe ich die Initiative MyMarkMyCity des Museum der UN kennengelernt. MyMarkMyCity ist eine weltweite Initiative, die mit freiwilligen jungen Menschen auf der ganzen Welt Initiativen zum Klimaschutz initiiert, dabei können sich diese unter dem Namen MyMarkMyCity zusammenschließen und Projekte planen. Dabei liegt der Fokus auf der Kreation eines globalen Netzwerkes in dem örtliche Aktivisten sich zusammenschließen können und Projekte planen und erstellen können, die Lösungen zur aktuellen Klimakrise bringen und Städte auf der ganzen Welt verändern können. Da der Großteil der Weltbevölkerung in Städten lebt ist dieser Fokus gezielt gewählt, um an der Front des Klimawandels etwas gegen die wachsenden Probleme zu erreichen. Darüber hinaus kennt man seine Stadt gut und kann so etwas gegen die bekannten Problematiken initiieren.
Hier in Dar es Salaam wurde ein Event initiiert, dass sozusagen der Auftakt für MyMarkMyCity in Dar es Salaam war und in dem engagierte junge Menschen aktiv Ideen gesammelt und ausgearbeitet haben. In einem Gespräch mit der Initiatorin, welches ich an einem anderen Tag geführt habe, hat sich dann viel Potential herausgestellt, welches aktuell noch nicht genutzt wird. Das erste problem ist, dass in Tansania auf Grund der politischen Situation keine öffentlichen Ansammlungen von Menschen geben kann, die unter einem Namen ohne Registrierung an etwas arbeiten kann. Darüberhinaus kann man als einzelne Person kein Projekt ohne einer gegründeten Organisation initiieren. So kam es in einem Prozess in dem Geschäftsideen ausgearbeitet worden zu der Idee “MyMarkMyCity” als “MyMarkMyCityTanzania” und so als eigenständige NGO zu registrieren. Unter dem Aspekt haben wir als Team eine kleine Messe besucht, in der junge tansanische Unternehmen vorgestellt wurden die aus Müll neue Produkte herstellen. So werden beispielsweise Lebensmittelabfälle zur Ernährungsherstellung zur Lebensmittelproduktion verwendet. Hierbei wird der Abfall als Nahrung für Kakerlaken verwendet, die dann später zu einem proteinstarken Mehl verarbeitet werden, dass dann von Hühnern als Essen genutzt werden können. Auch up-cycling, also der Herstellung eines Produktes direkt aus Abfall, wie zum Beispiel Taschen aus Alt-Papier oder Steine für den Hausbau aus Plastikflaschen, wurde präsentiert.
Hierbei muss man heir immer betrachtet werden, dass durch solche Initiativen zwar ein Problem angegangen wird, aber nicht gelöst wird. Diese Events werden häufig von Organisationen wie Coca-Cola betrieben und auch groß vermarktet. Dabei handelt es sich schlicht gesagt um “Greenwashing”. Greenwashing ist eine kritische Bezeichnung für PR-Methoden, die darauf zielen, einem Unternehmen in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches und verantwortungsbewusstes Image zu verleihen, ohne dass es dafür eine hinreichende Grundlage gibt (Wikipedia). So werden viele Events und sogar auch Säuberungsaktionen von Stränden groß durch Firmen angekündigt und gefördert, aber das Problem wird nicht gelöst. Auch wenn man dem Abfall eine neue Facette hinzufügt und ein neues Produkt entsteht, werden die wahren Probleme nicht angegangen: Die zu große Herstellung von Müll, unterandern auch durch die Coca-Cola Company die ca. 200,000 Flaschen pro Minute herstellen, und der fehlende Umgang mit Müll. Tansania hat so zum Beispiel zwar “single-use” Plastik, z.B. Plastiktüten, verboten, aber dennoch gibt es hier kein staatliches Müllverarbeitungssystem, z.B. städtischen Müllabfuhren oder ein Pfandsystem, und auch recycling findet fast ausschließlich in anderen Ländern statt. So wird Plastik und Papier von privaten Unternehmen eingesammelt, die den Müll zu Verarbeitungsanlangen exportieren. Ein großer Markt ist hier zum Beispiel das recyceln von Papier. Unternehmen lassen Papier sammeln, sortieren es und pressen es so zusammen, dass möglich viel in einem Container nach China und Indien exportiert werden kann. Da Tansania fasst keine verarbeitenden Industrien hat ist dies jedoch auch wenig verwunderlich.
So lässt sich abschließend sagen, dass ein staatlich geregelter und organisierter Umgang und eine organisierte Verarbeitung des Mülls nicht gegeben ist. Hierdurch lässt sich für mich persönlich sagen, dass die Ideen und Unternehmen zwar gut sind, aber das Problem eher legislativ liegt.

Mit MyMarkMyCityTanzania erhoffen wir uns anderweitige Lösungen zu finden, die, zwar auch unter Betracht der aktuellen legislativen Umstände, nachhaltig ist und das Problem nicht einfach verzögert.

Zum Ende des Jahres, und ohne großer Weihnachtsstimmung, stand dann mal wieder Weihnachten vor der Tür. Weihnachten am gefühlt anderem Ende der Welt. Weihnachten ohne die Familie. Naja nicht ganz, denn mit meiner Gastfamilie konnte ich ein schönes Weihnachtsfest im Heimatort meines Gastvaters feiern. Und hier kommen wir wieder auf den Anfang des Beitrages zurück. Mein Gastvater kommt aus Lushoto, einen Ort in den sogenannten Usambara Bergen. In den Bergen und auf 1400 Metern gelegen lassen Temperaturen um 22 Grad heimatliche Erinnerungen aufkommen. Wahrscheinlich liegt es an diesen Gegebenheiten, dass dieses Tal auch zur Zeit des Kolonialismus bei Kolonialisten beliebt war. Im Rahmen von einer Wanderung und einem Gespräch mit einem älteren Herrn habe ich erfahren, dass das damalige Wilhelmstal unter den damaligen Deutschen sehr beliebt war und es auch Überlegungen gab im Wilhelmstal die Hauptstadt Deutsch-Ostafrikas einzurichten. Hierbei muss allerdings angemerkt sein, dass diese Information ohne Gewähr ist. Festzuhalten ist allerdings, dass dieser Ort ein bevorzugter Ferienplatz für Kolonialverwalter war. So lassen in Lushoto noch viele Gebäude erkennen die aus der Kolonialzeit stammten. Wäre an manchen Stellen der tropische Regenwald nicht gewesen hätte man denken könne, dass man in den Alpen ist. Insgesamt hat der Kolonialismus seine Spuren hinterlassen, wobei man auch die negativen Spuren nie vergessen sollte.

Bilderreihe: Auf den Spuren des Kolonialismus - Kamine und Schornsteine,
architektonisch normalerweise nicht in Tansania gesehen

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Ich habe mein Weihnachtsfest im Haus meines Gastvaters gefeiert, welches darüberhinaus auch eine Lodge ist. So wurde unser Weihnachtsfest. Mit der ganzen Familie um zwei weitere Reisende ergänzt, die im Rahmen einer Bachelorarbeit in Tansania waren und von denen sogar einer in meiner Heimatstadt in Deutschland zur Schule gegangen ist.

Als Weihnachtsgeschenk habe ich mit meiner Gastfamilie Kekse gebacken. Was sich als Kleinigkeit in Deutschland anhört ist für uns zu einer Herausforderung geworden, da uns der Backofen durchgehend die Sicherung durchgebrannt hat und wir kreative Lösungen zum flicken der Sicherung einfallen mussten. Dennoch hat es geklappt und wir konnten das Weihnachtsfest mit einfachen Butterkeksen genießen.

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Generell muss Ich sagen, dass Weihnachten zwar im Rahmen der Familie gefeiert wird, es ist aber nicht eine so große Angelegenheit mit Geschenken wie in Deutschland. Vielmehr ist es ein Zusammenkommen und gesellschaftliches Essen. So war es sehr angenehm auch ein neues Weihnachtsfest zu erfahren.

Bilderreihe: Lodge meines Gastvaters

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November 2019

Zu allererst muss eine Sache gesagt sein. Von nun an veröffentliche ich hier über die Webseite der D&D ganze Monatsberichte und werde auf meiner eigenen Webseite Plötzlich in Afrika detailliertere Beiträge zu Themen meines Interesses verfassen. Zum Beispiel wird ein detaillierter Bericht zu meiner Kilimanjaro Besteigung dort zu finden sein.

Während ich den November in Deutschland immer als einen der ersten richtigen kalten und dunklen Monaten assoziiert hatte war dieser November vor allem eins: heiß. Dadurch, dass Tansania unter dem Äquator liegt und sozusagen alle Monate falscherem erlebt ist es hier Sommer, beziehungsweise Hochsommer. Das lässt sich allerdings nicht so genau charakterisieren, da meine neue Heimat Dar es Salaam nach Angaben meines Gastbruders unteranderem auch dafür bekannt ist, dass sich wettertechnisch gerne Extreme zeigen. So regnet es in der Regenzeit gerne mal extrem viel und jetzt im Sommer ist es äußerst heiß. Auch wenn ich mich nun etwas akklimatisiert habe waren Schweißtropfen in diesem Monat meine regelmäßigen Begleiter.

Zusammen mit meinem Schweißtropfen habe ich in diesem Monat viel erlebt. Eigentlich lässt es sich sogar sagen, dass man jeden Tag hier in Bongo, Spitzname für Dar es Salaam, etwas erlebt.
Mein entwicklungspolitischer Freiwilligen Dienst steht unter dem Motto von Klimaschutz und Völkerverständigung. Deshalb ist dieser Beitrag in zwei Aspekte unterteil: in meine Arbeit und in meinen freizeitlichen Erlebnissen. Auch wenn man hier nicht sagen kann, dass ich auf meiner Arbeit mit Klimaschutz die Welt rette und in meiner Freizeit nur Völkerverständigung betreibe.

Arbeitstechnisch stand ich ich in diesem Monat vor der Verwirklichung meines ersten Projekt Pitches. Mir ist aufgefallen, dass sehr viele tansanische NGOs in unserem Sektor (Klimawandel) über Klimaschutz und Aktionen zum Stoppen des Klimawandels reden und auch ein sehr starkes Bild da ist, dass ein “business as usual” Prinzip bei den aktuellen Entwicklungen nicht vertretbar ist. Allerdings werden diese Forderungen von Ihnen nicht in Ihrem alltäglichen Büroleben aufgegriffen. So habe ich Potential darin gesehen dies als eigenes Projekt für FORUMCC einzuführen. Nach einer anfänglichen Planungsphase in den letzten Monaten und einer Recherche meines Mitfreiwilligem zum Thema der Einführung von Solarstrom im Büro, haben wir angefangen eine Präsentation für unsere Idee zu gestalten. Und so ist das neue Projekt “Climate Friendly Office Solutions” entstanden. Diese Präsentation wollten wir eigentlich währen der quartalsmäßigen Vorstandssitzung unserer Organisation präsentieren, allerdings wurde es eher zu einer losen Vorstellung meinerseits, nachdem ich die neue von mir erstellte ForumCC Broschüre vorgestellt hatte. Generell wurde die Idee sehr positiv von unseren Vorstandsmitgliedern aufgenommen, was neue Energie und eine erste Bestätigung für die Notwendigkeit der Thematik gegeben hat.
Das Projekt lässt sich in diesem anfänglichem Stadium in drei Phasen unterteilen. Zuerst recherchieren wir nach Technologien und Anleitungen für ein klimafreundliches Büro und implementieren diese Technologien und Verhaltensweisen in unserem Büro. Hierdurch erhoffen wir uns, dass unser Büro einerseits als Beispiel für andere Büros wirkt und wir die Platform haben die Technologien auszuprobieren. So wollen wir als Berührungspunkt für andere Menschen wirken, die noch nicht oder nur Teilwiese mit der Thematik in Berührung gekommen sind. Des weiteren könnender so nachvollziehen was funktioniert und was eingespart wird, um danach in Phase 2 des Projektes zu gehen. In Phase 2 wird eine Studie mit verschiedenen NGOs und anderen Büros durchgeführt, in denen wir die getesteten Technologien und Verhaltensweisen in die teilnehmenden Büros einbauen. Da dies als Studie geplant ist wird hier alles genau protokolliert, damit wir ein repräsentatives Ergebnis haben um genau bezeichnen zu können, wie wirkungsvoll unser Projekt ist. Mit diesem Ergebnis soll dann in Phase 3 die Möglichkeit geschafft werden beratend tätig zu werden und NGOs, Firmen und die Regierung bei der Implementierung von klimafreundlichen Bürolösungen beraten zu können.
Für dieses Projekt habe ich in diesem Monat außerdem noch an einem Onlinekurs der Weltbank über “Solid Waste Management” teilgenommen. Da Tansania ein großes Ausbaupotential im Bereich des Müllsystems hat, ein staatliches Müllsystem gibt es nahezu nicht, ist diese Thematik auch von besonderer Signifikanz für unsere Arbeit.
Im Rahmen eines Events des Museum der UN habe ich eine weitere Freiwillige kennengelernt, mit der ich für den Dezember an der detaluierung ihres Projektes arbeiten werde. Aber dazu im Dezember mehr.

Neben der Arbeit ist in diesem Monat mindestens genau so viel passiert. Auf zwei Erlebnisse möchte ich in diesem Bericht genauer eingehen:
In diesem Monat bin ich auf mein erstes Richtges Festival hier in Dar es Salaam gegangen. Das sogenannte Wasafi-Festival des Plattenlabel Wasafi, einem der größten Labels für Bongo Flava (der angesagtesten Musikrichtung für jugendliche Tansanier). Nach einer Odyssee von Kartenverkaufsstand zu Kartenverkaufsstand per TukTuk, Suaheli Bajaji, habe ich am Tag vorher noch Tickets für das Event bekommen. So ging es mit viel Vorfreude auf das erste Festival hier in Tansania. Schon über viele Ecken habe ich mitbekommen, dass man bei solchen Events immer äußerst aufpassen soll, da sich in solch großen Menschenansammlungen viele Diebe befinden sollen. Auch wurde einem empfohlen die deutlich teureren VIP-Tickets zu kaufen, um das Festival in einem abgesonderten Bereich zu feiern. Aber irgendwie war das nichts für mich und da mich meine Gastbrüder und tansanische Freund begleitet haben, haben wir uns das ganz normale Programm gekauft und so hieß es vor dem Event erstmal ab in die Schlange. Videos aus den sozialen Netzwerken haben unteranderem schon zu Mittagszeiten gezeigt, dass sich die Schlange über mehrere Straßenzüge erstreckt. Als wir aber am Abend ankamen ging es aber recht schnell. Eine Ticket- und Sicherheitskontrolle später waren wir dann drinnen und los ging es. Typische Bongo-Flava Musiker standen auf der Bühne und haben das beste der Musik, Musikrichtungsmäßig ein Mix aus HipHop, RnB und gefühlsmäßig auch Schlager (da die Lieder einem nach erstmaligen hören direkt im Kopf bleiben), und mit tollen Tanzeinlagen der Background Tanzgruppen abgeliefert. Eine ausgelassene Feierstimmung in einer riesigen Menschenmenge. Überall Menschen am feiern, die alle insgesamt ein besseres Tanzgefühl als ich haben. Meine Stimmung war am Höhepunkt der Gefühlslagen, bis ich das erste Mal hier in Tansania mit Kriminalität in Berührung kam. Irgendwann habe ich gemerkt, das mein in der Bauchtasche sicher geglaubtes Portemonnaie auf einmal weg war. - Ab dem Zeitpunkt war die Stimmung weg. Im einem Moment feiert man ausgelassen, im nächsten Augenblick dreht sich alles um das gestohlene Portemonnaie. Portemonnaie weg, Geld weg, Abend hinüber? Bei der Verarbeitung des Falles kam mir die offene Art meiner. Begleitungen sehr entgegen. Auch wenn etwas gestohlen wurde war es nur eine kleine Summe und sofort wurde gesagt, dass man sich kein Sorgen machen muss. Diese Lockerheit im Umgang war etwas neues für mich. Während in Deutschland gerne die Polizei informiert wird, nützt es hier nichts und zu den Diebstahl zu akzeptieren ist die einzige Möglichkeit. Die Moral der Geschichte? Weg ist weg und man lernt daraus für die Zukunft. Wie gesagt man erlebt jeden Tag etwas Neues und negative Erlebnisse gehören auch dazu.

Das richtige Highlight des Monats war allerdings meine erste Reise hier in Tansania. Vor knapp anderthalb Monaten haben ich und mein Mitfreiwilliger, Hannes, eine Kilimanjaro Ersteigung gebucht. Ohne viel Planung, Wandererfahrung und ohne richtigem Training. Während der letzten beiden Wochen haben wir versucht mit ein wenig Krafttraining in einem lokalen Fitnessstudio unser Gewissen zu beruhigen. Nach zwei Wochen Ganzkörpertraining hieß es dann Rucksack packen und ab in den Bus. Da Tansania kein modernes Zugnetz hat, die meisten Zugstrecken stammen aus der Kolonialzeit, ist der Fernbus das Hauptverkehrsmittel für die Langstrecke. So verbrachten wir knapp neun Stunden in einem chinesischem Fernbus aus dem Jahr 2018.
Musikalisch wurden wir vom frühen Morgen an von tansanischen Christenpop entertained, was natürlich das Herz eines jeden müden und aufgeregten Reisenden erwärmt. Während der Fahrt habe ich mich dann um eine Unterkunft gekümmert. Auch wenn es ein wenig kurzfristig - drei Stunden vor Ankunft - war, so habe ich über einen Kontakt aus einer WhatsApp Gruppe eine Unterkunft zum Couchsurfen bekommen. Couchsurfing kann man sich so vorstellen, dass man bei wildfremden, aber sehr weltoffenen, Menschen unterkommt. Hierbei variiert die Unterbringung zwischen nicht genutzten Zimmer bis hin zur Couch. Ein Gefühl der Unwissenheit und Neugierde lag in der Luft, als wir dann in Moshi, Ausgangspunkt für so ziemlich jede Kilimanjaro Expedition, am Busbahnhof angekommen sind. Der erste Eindruck von Moshi war das Drücken einer Menschenmenge, die in unserem Bus einsteigen wollte und da wir die letzten Aussteigenden waren wurden wir erstmal erdrückt. Erdrückend waren als nächstes unsere weiteren Erlebnisse.
Im prasselnden Regen luden wir unsere Rucksäcke aus dem Bus und ich wurde von jemanden gefragt, ob ich ihm nicht meine Wasserflasche schenken möchte. Als nächstes wurden wir von Fragen erdrückt, ob wir nicht eine Tour buchen möchten, wo es hingeht und ob wir ein Taxi brauchen. Nachdem wir uns vom Regen und Nachfragen in ein lokales restaurant geflüchtet haben konnten wir bei Pilau, sehr leckerer gewürzter reis, unsere Gedanken richten und machten uns mit neuer Stärke auf den Weg zu unserem Gastgeber. Unsere Anreise war ein wenig erlebnisreich, wir sind erst aufgrund eines falschen Standorts über WhatsApp bei einem unbekannten jungen Motorradfahrer in der Wohnung gelandet - welcher uns auch ganz einfach reingelassen hatte, sich vorgestellt hat und einfach einen Film geguckt hat, während zwei weiße voll bepackte Touristen mit ihren großen Wanderrucksäcken in seinem Zimmer saßen und sich wunderten wo wir schlafen sollten. Als sich das Missverständnis aufgeklärt hat machten wir uns dann auf denWeg zu unserem richtigen Gastgeber. Dort angekommen wurden uns unsere Zimmer gezeigt und zwei junge Jungs im Alter von 7 und 8 Jahren wollten mit uns spielen. In einem wildfremden Haus mit zwei kleinen Kindern und einem Luftballon zu spielen war schon etwas überraschend, aber irgendwie auch sehr verbindend. Ich selber erinnere mich noch daran wie man als Kind nach Geburtstagen mit Luftballons gespielt hat, vielleicht macht man es jetzt noch ab und zu, und jetzt steht man mitten in Ostafrika in einem Wohnzimmer und spielt so mit zwei wildfremden Kindern. Im Rahmen von Gesprächen mit unserem Gastgeber haben wir dann erfahren, dass er als Hauptbeschäftigung eine Vorschule für Straßenkinder und Kindern, deren ältere die Schulgebühren nicht zahlen können, leitet und dort mit Lehrern und Freiwilligen diesen Kindern Englisch, Mathe und das Lesen beibringt. Darüber hinaus ist seine Vorschule auch ein Ort, an dem die Kinder spielen können und ihnen aber auch einfache landwirtschaftliche Fähigkeiten und auch Kochen beigebracht werden. Da in Tansania eine Vorschule fest in das Schulsystem eingebaut ist, ist diese Bildung wichtig, aber für viele Familien unbezahlbar. So hat Nicas, unser Gastgeber, aus einem lehrstehenden Haus die Schule gebaut und führt diese Schule. Nebenbei baut er gerade ein Haus für Freiwillige, die dort unterrichten können. Sein Couchsurfing benutzt er, um Menschen erstens eine Unterkunft zu geben und Ihnen auch seine Schule zu zeigen, wodurch man dort entweder ein wenig helfen kann, im Shop der Schule unterschiedliche Produkte lokaler Herstellung kaufen kann oder Ihn anderweitig zu unterstützen. Nicas hat das ganz nett als gegenseitigen Lernprozess bezeichnet. Man selber lernt die Schule, die Kinder und seine Ansichten und Arbeit kennen und kann sich sich durch seine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse in die Arbeit einbringen. So haben wir, als wir Obstbäume gepflanzt haben etwas über das Bäume pflanzen gelernt und ich habe beim Streichen des Freiwilligenhaus geholfen. Andere Menschen haben ihm einen Onlineshop eingerichtet oder einen Imagefilm gedreht. Man muss schon sagen, recht schlau von Nicas diese Möglichkeit über das Couchsurfen zu nutzen und so Menschen für sein Projekt zu gewinnen.

An dieser Stelle habe ich mich jetzt dazu entschlossen Ihnen einen ausführlichen Reisebericht meinerseits zu ersparen. Meine Wanderung auf den Kilimanjaro war ein einmaliges Erlebnis und hat mir, neben der Erfahrung mich bis an das Ende meiner Leistungsgrenze zu kämpfen, sehr viel an Erfahrung gegeben und mir auch die Möglichkeit geschaffen durch eine Auszeit viel nachzudenken. Im Rahmen meiner Reise bin ich mit vielen neuen Menschen in Kontakt gekommen, denen ich mit meinen wenigen Worten aus Suaheli ein Lächeln in das Gesicht setzen konnte. Darüber hinaus habe ich mit weiteren kleinen Ausflügen, zu einem Wasserfall, Wasserquellen mitten in der Steppe, einer Kaffeefarm und an einem See an dem wir die einzigen Gäste waren und dort im Zelt neben Pavianen aufgewacht sind, sehr viele Erfahrungen gemacht, die ich noch ordnen muss. Eins muss ich and dieser Stelle aber sagen. Ohne die Unterstützung von Spendern ist es für mich nicht möglich mein Freiwilligenjahr durchzuführen. Dank Spendern wie D&D wird mir diese einmalige Möglichkeit des Menschenkontakts und Reisen, aber auch des Arbeiten, in einem Land auf der anderen Seite des Äquators erst ermöglicht. Diese Erfahrungen sind einzigartig und ich bin mir sicher, dass ich diese mein ganzes Leben lang mit mir tragen werde.
Falls Sie mich auch Unterstützen möchten, erreichen Sie mich unter: sillmann.lennart@googlemail.com
Weitere detailliertere Berichte, wie zum Beispiel der Ersteigung des Kilimanjaro und meiner Reise werde ich, nachdem ich meine Erlebnisse verarbeitet habe auf Plötzlich in Afrika hochladen. Verfolgen Sie meine Reisen und Erlebnisse auch dort!

Jetzt aber für Interessierte noch ein paar Bilder meiner Reise:

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Wanderung zu den Materuni Wasserfällen am Fuße des Kilimanjaro

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Wanderung zu den Materuni Wasserfällen am Fuße des Kilimanjaro

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Besuch einer Kaffeefarm, in der wir alle Prozesse des traditionellen Kaffeeanbau
und der Verarbeitung gelernt haben und danach unter Blicken von Ziegen
den Kaffe verzehren konnten.

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Besuch einer Kaffeefarm, in der wir alle Prozesse des traditionellen Kaffeeanbau
und der Verarbeitung gelernt haben und danach unter Blicken von Ziegen
den Kaffe verzehren konnten.

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Besuch der Boma Hot Springs, einem kleinem von Bäumen umgebenen See,
dessen Quelle Wasser vom Kilimanjaro ist.

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Die Schule unseres Couchsurfing Gastgebers
und das von ihm initiierte pflanzen eines Mangobaums

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Die Schule unseres Couchsurfing Gastgebers
und das von ihm initiierte pflanzen eines Mangobaums

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Die Schule unseres Couchsurfing Gastgebers
und das von ihm initiierte pflanzen eines Mangobaums

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Die Schule unseres Couchsurfing Gastgebers
und das von ihm initiierte pflanzen eines Mangobaums

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Die Schule unseres Couchsurfing Gastgebers
und das von ihm initiierte pflanzen eines Mangobaums

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Das erste Mal, dass sich der Kilimanjaro zeigt.
Die Worte unserem Guides: It is a piece of cake.

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Langsam verschwindet der Berg wieder hinter Wolken

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Los geht es mit dem Eintragen am Eingang zum Nationalpark

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Im Regenschutz geht es dann ab in den Regenwald

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Durch die verschiedenen Vegetationszonen bis nach ganz oben.

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Durch die verschiedenen Vegetationszonen bis nach ganz oben.

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Durch die verschiedenen Vegetationszonen bis nach ganz oben.

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Durch die verschiedenen Vegetationszonen bis nach ganz oben.

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Durch die verschiedenen Vegetationszonen bis nach ganz oben.

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Durch die verschiedenen Vegetationszonen bis nach ganz oben.

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Durch die verschiedenen Vegetationszonen bis nach ganz oben.

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Durch die verschiedenen Vegetationszonen bis nach ganz oben.

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Durch die verschiedenen Vegetationszonen bis nach ganz oben.

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Durch die verschiedenen Vegetationszonen bis nach ganz oben.

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Durch die verschiedenen Vegetationszonen bis nach ganz oben.

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Durch die verschiedenen Vegetationszonen bis nach ganz oben.

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Durch die verschiedenen Vegetationszonen bis nach ganz oben.

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Durch die verschiedenen Vegetationszonen bis nach ganz oben.

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Durch die verschiedenen Vegetationszonen bis nach ganz oben.

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Ausklingen des Urlaubs am Lake Chala: Zwischen einem See,
ausgetrockneten Flüssen und Baobab-Bäumen
nahe der kenianischen Grenze lässt sich der Urlaub gut ausklingen

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Ausklingen des Urlaubs am Lake Chala: Zwischen einem See,
ausgetrockneten Flüssen und Baobab-Bäumen
nahe der kenianischen Grenze lässt sich der Urlaub gut ausklingen

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Ausklingen des Urlaubs am Lake Chala: Zwischen einem See,
ausgetrockneten Flüssen und Baobab-Bäumen
nahe der kenianischen Grenze lässt sich der Urlaub gut ausklingen

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Ausklingen des Urlaubs am Lake Chala: Zwischen einem See,
ausgetrockneten Flüssen und Baobab-Bäumen
nahe der kenianischen Grenze lässt sich der Urlaub gut ausklingen

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Ausklingen des Urlaubs am Lake Chala: Zwischen einem See,
ausgetrockneten Flüssen und Baobab-Bäumen
nahe der kenianischen Grenze lässt sich der Urlaub gut ausklingen

Oktober 2019

Ninafanya kazi ForumCC - Ich arbeite bei ForumCC

Tansaniablogbild03

Ein nicht unbedeutender Anteil meines entwicklungspolitischen Freiwilligendienst ist meine Arbeit. Arbeit auf Suaheli bedeutet "kazi", deswegen diese Überschrift für diesen Blogeintrag.
Aber was mache ich genau? Was ist ForumCC? Und unterscheidet sich meine Arbeit hier in Tansania zu dem, was man in Deutschland als Arbeit kennengelernt hat?Mein entwicklungspolitischer Freiwilligendienst steht unter dem Überthema"Völkerverständigung und Klimaschutz". Deshalb wurden alle Freiwillige die mit mir über meine Organisation "Deutsch-Tansanische Partnerschaft e.V." versendet wurden in Projekte entsendet worden, die sich mit Klimaschutz und/oder gesellschaftlicher Arbeit beschäftigen. So arbeite ich im Rahmen meines Freiwilligenjahres bei ForumCC.
ForumCC ist eine Nichtregierungsorganisation, die insgesamt in in der Klimapolitik aktiv ist. Hierbei wirkt sie als zivilgesellschaftliche Organisation auf unterschiedlichsten Ebenen und hat ein breit gefächertes Projektportfolio. Als Netwerk für NGOs, die im Klimaschutz aktiv sind, haben wir über 80 Mitglieder in Tansania. Unsere Mitglieder sind in unterschiedlichsten Aspekten aktiv, wie zum Beispiel aktiv mit Klimaschutzprojekten bis hin zu gesundheitspolitischen, journalistischen oder entwicklungspolitischen Feldern.

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Diskussion zum "International Day of Peace"

Ich arbeite im Sekreteriat von ForumCC. Hier arbeiten die "Project Officers" an ihren laufenden Projecten. So laufen gerade bei uns das GIE-Project, HELP-Project, das SIDA-Project, das ACATI-Project, ein Projekt zu "Strengthening Partnership in Agenda 2030", also zu den 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung, und ein Projekt in dem Ausgaben des globalen "Adaptation Fund" in Tansania übersehen wird. Das sind jetzt viele Namen aber an Beispielen des ACATI Projektes kann ich meine Tätigkeiten hier bei ForumCC genauer erklären.
Das ACATI Projekt heißt ohne Abkürzungen eigentlich "Accountable Climate Action and Finance Transparency Project" und setzt wie dem Namen zu entnehmen ist bei den Thematiken der Verantwortlichkeit bei Klimaschutzmaßnahmen und bei der Transparenz in der Verwendung von Finanzmitteln . Da alle der Projekte von ForumCC schon seit mehreren Jahren laufen und jetzt in der finalen Phase stehen wurden schon unterschiedlichste Maßnahmen eingeleitet. So hat ForumCC ein "Budgettracking"-Werkzeug entwickelt, mit dem Anwendern einfacher gemacht wird die Verwendung von Finanzmitteln zu verfolgen und zu notieren.
Allerdings ist das nicht der einzige Aspekt des Projektes. Neben dem Werkzeug betreibt ForumCC Kapazitätsaufbau (Englisch: Capacity building), Interessensvertretung und Interessensaufbau von Bevölkerungsgruppen, sowie den Aufbau von Nachfrage auf Seiten der Bevölkerung zu Verantwortlichkeit und einer breiteren Debatte zu Finanzen im Klimaschutz. Hierbei liegt für mich mein Aufgabenbereich in der Mithilfe bei der Organisation von Events und Workshops und bei Öfentlichkeitsarbeit für die Projekte. So erlerne ich auch, wie man Socialmedia Beiträge für NGOs erstellt und was man den Onlineauftritt einer Nichtregierungsorganisation zu beachten hat. Fotos machen, Banner erstellen, das Erstellen von Event- und Lernvideos oder auch von Graphiken gehört auch dazu. Das ist zwar auf der einen Seite viel learning by doing, stellt einen aber auch immer wieder vor neue Herausforderungen und man lernt viel dazu.

Tansaniablogbild03

Beach Clean Up zum "World Clean Up Day"

Dazu besuchen wir auch regionale und überregionale Konferenzen und vertreten ForumCC dort. So lerne ich aktuell auch viel über den Klimawandel und aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, aber auch über weitere Einflussgebieten wie Resistenzmaßnehmen und Müllmanagement. Solche Konferenzen sind auf der einen Seite ein guter Ort für leckeres essen aber vorallem eine sehr gute Möglichkeit etwas zu lernen und zu Networken. Aktuelle Ideen, Aktionen oder auch Positionen können im Rahmen der Events ausgetauscht werden und neue Kontakte geknüpft werden.

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Ausstellung von Kunstwerken aus Müll im Rahmen einer Konferenz der World Bank Group Namens "Unterstanding Risk" zu Urban Resilience

Darüberhinaus sitze ich gerade auch noch in der ersten Phase eines eigenem Projektes, aber dazu in der Zukunft mehr...

September 2019

Plötzlich in Afrika

Ein kleiner Disclaimer vorweg:

Nein, ich bin nicht plötzlich in Afrika gelandet. Denn zum einem ist Afrika kein Land und ich befinde mich zwar auf dem Kontinent, aber mein derzeitiger Aufenthaltsort ist die beschauliche Großstadt Dar es Salaam an der Ostküste Tansanias. Als eine der am schnellsten wachsenden Städte Afrikas kann ich leider keine genauen aktuellen Zahlen über die Bevölkerungszahl geben, im Jahre 2012 waren es zumindest 4.364.541 Menschen. Und auch wenn es mir in der Retrospektive alles ziemlich schnell ging, bin ich auch nicht plötzlich in dieser Stadt gelandet.

Tansaniablogbild01

Blick auf Teile der Skyline Dar es Salaams

Also fangen wir mal für diesen ersten Blogeintrag von ganz Vorne an.

Der Kontinent Afrika hat mich meine ganze Kindheit schon immer interessiert. Für lange Zeit waren Geparde meine Lieblingstiere und auch generell hatte Afrika schon immer einen „mystischen“ Charakter für mich. Die Sahara, Ägypten, der Kilimanjaro, diese beeindruckende Tierwelt und eine Kultur, die mir als so anders erschien.
Als mein Abitur immer näher rückte und man sich erste Gedanken über seine Zukunft machen musste war mir eins relativ klar: Auch wenn ich in Ansätzen schon wusste was ich später mal machen möchte oder studieren werde, möchte ich nicht direkt mit dem Studium anfangen. Ein Freiwilliges Soziales Jahr oder auch ein Freiwilliges Ökologisches Jahr hörte sich da schon sehr verlockend an. Trotzdem fehlte da etwas. Na klar, man kann auch nochmal schön für ein Jahr nach Australien fliegen und dort Work & Travel machen, aber irgendwie war das nichts für mich. Irgendwann bin ich dann im Sommer 2018 auf „weltwärts“ gestoßen. Weltwärts ist ein Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kurz BMZ. Dieser Freiwilligendienst ist einer der weltweit größten entwicklungspolitischen Jugendfreiwilligendienste und versendet jedes Jahr Freiwillige zwischen 18 und 28 in Länder in Afrika, Asien, Lateinamerika, Osteuropa und Ozeanien. Hierbei sollen wir Freiwillige andere Kulturen und Sichtweisen kennenlernen, unsere eigenen Denkmuster und Handlungsweisen hinterfragen und zu einem global solidarischen Handeln befähigt werden.
Falls ihr noch mehr über weltwärts erfahren wollt besucht einfach weltwaerts.de.

Daladala

Kleinbus (Daladala)

Jedenfalls hat sich dieser Ansatz bei einem staatlich geförderten Programm teilzunehmen, dabei noch eine ganz andere Kultur und Lebensweise kennenzulernen und darüber hinaus noch in einem interessanten Projekt mitzuwirken als äußerst interessant angehört. Hierbei war es für mich aber klar, dass dieses Projekt in Afrika sein muss, am besten in einem englischsprachigen Land, und mit entwicklungspolitischer und klimapolitischer Arbeit zu tun haben soll. Über ein Vermittlungsportal auf der Weltwärtswebseite habe ich dann ein Projekt gefunden, welches sich mit genau all diesen Thematiken beschäftigt und in Tansania ist. Irgendwann habe ich mich dann im Winter endgültig entschlossen mich zu bewerben und irgendwie ging es dann alles ziemlich schnell. Während einem Auswahltag im Januar 2019 habe ich die Deutsch-Tansanische Partnerschaft e.V. in Hamburg kennengelernt und mehr über ihr Arbeit erfahren. Als mein Vertrag für das FSJ eintrudelte schien mir alles schon konkreter. Da liegt er nun also. Der Vertrag, der festlegt, dass ich ein ganzes Jahr in einem ganz neuem Land auf der anderen Seite des Globusses verbringen werde. Auch wenn es mir schon als ein großer Schritt vorkam habe ich den Vertrag schnell unterschrieben und auf neue Post aus Hamburg gewartet. Und dann ging alles gefühlt ziemlich schnell. Informationen trudelten ein, Termine beim Amt und bei Ärzten mussten vorbereitend gemacht werden und viel Papierkram wurde erledigt. Impfungen und das Abi vergingen wie im Flug und der Abreisetag rückte immer näher. Ein Spenderkreis, von Personen und Unternehmen die mich in meinem Vorhaben unterstützen, musste aufgebaut werden und ich besuchte vorbereitende Seminare. Und dann war es dann schneller als gedacht so weit:

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Typischer Straßenhändler, der im Stau Eis verkauft

Ich verabschiedete mich von Freunden, Freundin und Familie und plötzlich war ich dann in Afrika.
Aber was heißt es plötzlich in einem ganz anderem Kontinent, in einer ganz anderen Kultur und in einer neuen Familie zu leben? Wie ist es nun in einem neuen Land zu sein, in dem ich für die nächsten 12 Monate leben, schlafen, essen und arbeiten werde? Was ist mit meiner Familie und meinen Freunden? Viele weitere Fragen kreisten in meinem Kopf auf und ab, bis ich plötzlich in Tansania landete.
Plötzlich verlässt man den Flughafen und sitzt in einem japanischen Bus, Baujahr 2006.
Dar es Salaam begrüßte mich und meine Mitfreiwilligen von der besten Seite: Stau, Straßenverkäufer die einem so ziemlich alles mögliche von Eis oder Wasser zu Erdnüssen oder Warndreiecken andrehen möchten, einem ungeregeltem und für deutsche Verhältnisse waghalsigen bis lebensgefährlichen Verkehrsverhalten und wie schon gesagt mit viel Stau. Der leicht rauchige Geruch und Geschmack in der Luft und auch die durchgehende Geräuschkulisse aus Autos und Menschen waren ab da mein täglicher Begleiter.